
Eine der Initiatorinnen der Kampagne“Stadt der Frauen“ war zu Gast auf dem roten Sofa der SPD Frauen Erfurt:
11. September 2026Für den Ernstfall gerüstet: Ein Blick hinter die Kulissen des THW Erfurt
Wie bereitet sich das Technische Hilfswerk auf Hochwasser oder Stromausfälle vor? Mitglieder des SPD-Ortsvereins Erfurt-Süd haben den THW-Ortsverband in Marbach besucht.
Erfurt. 15.000 Liter Trinkwasser in einer Stunde. So viel kann die Anlage aufbereiten, die das Technische Hilfswerk (THW) in Erfurt vorhält. Bis sie einsatzbereit ist, vergehen allerdings rund zwei Tage. Denn aus verschmutztem Wasser wird nicht einfach auf Knopfdruck Trinkwasser. Die Technik muss aufgebaut werden, Fachleute müssen Proben untersuchen. Die dafür benötigte Ausrüstung füllt rund 40 Europaletten.
Für die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Erfurt-Süd war das eine von vielen bemerkenswerten Zahlen bei ihrem Besuch des THW in Erfurt-Marbach. Am 12. Oktober 2026 informierten sie sich darüber, welche Aufgaben die Einsatzkräfte übernehmen und wie sich die Organisation auf größere Schadenslagen vorbereitet.
Den Termin hatte Daniel Papenfuß organisiert. Er arbeitet hauptamtlich bei der THW-Regionalstelle Erfurt. Ortsbeauftragter Michéle Gunkel sowie die THW-Kameraden Matthias Schubert und Steffen Nachsel stellten den Besuchern die Arbeit des Ortsverbandes vor.
Rund 145 Menschen engagieren sich beim THW in Erfurt
Der Erfurter Ortsverband zählt nach Angaben der Verantwortlichen rund 145 Mitglieder. Dazu gehören etwa 20 bis 25 Kinder und Jugendliche in der THW-Jugend. Die aktiven Helfer investieren neben ihrem Beruf viel Freizeit in Ausbildung und Übungen.
Anders als die Feuerwehr rückt das THW nicht automatisch zu jedem Notfall aus. Es wird von den zuständigen Behörden angefordert, wenn besondere technische Hilfe benötigt wird. Das kann nach einem schweren Unwetter der Fall sein, bei Hochwasser, bei einem größeren Stromausfall oder wenn beschädigte Gebäude gesichert werden müssen.
Der OV Erfurt wird von der hauptamtlichen Regionalstelle Erfurt betreut. Diese ist für insgesamt zehn Ortsverbände in Thüringen zuständig. Sie unterstützt die ehrenamtlichen Einheiten bei ihrer Arbeit und koordiniert überörtliche Aufgaben.
Welche Dimension ein Einsatz erreichen kann, zeigte sich bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Dort waren THW-Kräfte aus ganz Deutschland über Monate beschäftigt. Sie suchten Vermisste, pumpten Wasser ab, stellen für Anwohner und Einsatzkräfte behelfsmäßige Infrastruktur wie Toiletten, Verpflegungsstellen oder Duschen und halfen beim Wiederaufbau zerstörter Verkehrsverbindungen. Bis 2023 errichtete das THW allein im Ahrtal 30 Brücken.
Was die Erfurter Einsatzkräfte leisten können
Beim Rundgang erhielten die SPD-Mitglieder einen Eindruck davon, wie unterschiedlich die Aufgaben der einzelnen Fachgruppen sind.
Mit schwerem Räumgerät können die Helfer Trümmer beseitigen und blockierte Verkehrswege wieder zugänglich machen. Andere Einheiten sorgen für eine vorübergehende Stromversorgung oder beleuchten Einsatzstellen, an denen auch nachts gearbeitet werden muss.
Eine besondere Fähigkeit ist die mobile Trinkwasseraufbereitung. Die Erfurter Anlage kann unter geeigneten Bedingungen bis zu 15.000 Liter Trinkwasser pro Stunde aufbereiten. Für den Betrieb braucht es speziell ausgebildetes Personal. Auch die hygienische Kontrolle des aufbereiteten Wassers ist aufwendig.
Interessant war zudem die Technik zur Überwachung beschädigter Bauwerke. Mit einem sogenannten Einsatzstellensicherungssystem lassen sich kleinste Bewegungen erfassen. Das kann beispielsweise wichtig werden, wenn Helfer an einem einsturzgefährdeten Gebäude arbeiten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kommunikation. Fallen öffentliche Netze aus, kann das THW eigene Verbindungen aufbauen. Damit bleiben Einsatzkräfte auch dann erreichbar, wenn das Mobilfunknetz überlastet ist oder nicht mehr funktioniert.
Allein diese Beispiele zeigten, welch hohes Maß an Ausbildung und Verantwortung die freiwilligen Kameradinnen und Kameraden des THW zu jedem Dienst und Einsatz leisten.
Der 669. Ortsverband arbeitet ausschließlich digital
Besonders viele Fragen gab es beim Besuch zu einer ungewöhnlichen Einheit des THW. Sie besitzt keine klassische Unterkunft und auch keinen eigenen Fuhrpark. Trotzdem ist sie ein regulärer Ortsverband.
Im Mai 2025 wurde das Virtual Operations Support Team, kurz VOST, als 669. THW-Ortsverband gegründet. Mehr als 70 Helfer aus ganz Deutschland gehören dazu. Sie arbeiten dezentral am Computer und unterstützen Einsatzleitungen mit Informationen aus digitalen Quellen.
Bei größeren Katastrophen verbreiten sich im Internet oft zahlreiche Meldungen über die Lage. Manche enthalten wichtige Hinweise, andere sind ungenau oder schlicht falsch. Für die Verantwortlichen vor Ort ist es schwierig, den Überblick zu behalten.
Hier setzt das VOST an. Die Helfer werten öffentlich zugängliche Informationen aus, überprüfen Meldungen und bereiten Ergebnisse für die Einsatzleitung auf. Auch digitale Karten können dabei entstehen.
Das Team existiert bereits seit 2016. Mit der Gründung des virtuellen Ortsverbandes erhielt es 2025 eine feste organisatorische Struktur. Zugeordnet ist es dem THW-Landesverband Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein.
Für die Besucher war vor allem interessant, dass für diese Form der Unterstützung die THW-Kräfte nicht gemeinsam am Einsatzort sein müssen. Die Mitglieder können ihre Aufgaben von unterschiedlichen Standorten in Deutschland aus erledigen.
Bundesweit 88.000 Ehrenamtliche im Einsatz
Das VOST zeigt, wie sich die Aufgaben des THW verändern. Die Organisation ist längst nicht mehr allein auf klassische Bergungsarbeiten ausgerichtet.
Bundesweit engagieren sich rund 88.000 Menschen ehrenamtlich beim THW. Unterstützt werden sie von mehr als 2400 hauptamtlichen Beschäftigten. Die Organisation verfügt über 669 Ortsverbände, die von 66 Regionalstellen betreut werden.
Allein im Jahr 2025 kamen nach Angaben des THW rund 600.000 Einsatzstunden zusammen.
Die überwiegend ehrenamtliche Struktur stellt die Ortsverbände vor besondere Herausforderungen. Die Helfer müssen für ihre Aufgaben regelmäßig geschult werden. Hinzu kommt die Wartung der umfangreichen technischen Ausstattung.
Wer während der Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen wird, kann dafür freigestellt werden. Der Verdienstausfall wird nach den gesetzlichen Regelungen erstattet.
Auch die Nachwuchsgewinnung bleibt wichtig. Bundesweit engagieren sich mehr als 17.000 Kinder und Jugendliche in der THW-Jugend. Dort lernen sie frühzeitig die Arbeit der Organisation kennen.
Was Erfurter für einen längeren Stromausfall zu Hause haben sollten

Neben den Aufgaben der Einsatzkräfte beschäftigte die Besucher auch die persönliche Krisenvorsorge.
Was passiert, wenn der Strom mehrere Tage ausfällt? Supermärkte könnten geschlossen bleiben. Geldautomaten, Ampeln, Telefonmasten, Öffentliche Verkehrsmittel u.A. funktionieren möglicherweise nicht mehr. Der Kühlschrank und die Gefriertruhe tauen ab, das Essen darin verdirbt. Je nach Schadenslage kann die Wasserversorgung beeinträchtigt sein.
Die THW-Vertreter empfahlen deshalb, einen Vorrat an haltbaren Lebensmitteln und Trinkwasser anzulegen. Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte auch daran denken. Taschenlampen und ein batteriebetriebenes oder kurbelbetriebenes Radio gehören ebenfalls zur sinnvollen Ausstattung.
Wichtig ist zudem, persönliche Dokumente so aufzubewahren, dass sie bei einer notwendigen Evakuierung schnell mitgenommen werden können.
Die Helfer machten deutlich, dass die Einsatzorganisationen bei einer großflächigen Katastrophe nicht überall gleichzeitig sein können. Wer einige Tage ohne öffentliche Versorgung auskommt, entlastet deshalb auch die Rettungs- und Hilfskräfte.











